TagZDF

ZDF vs Google, Apple, Konsumenten

Z

[A note to my international readers: This post has to be in German as it concerns mostly German media; the next one will be in English again. Sorry for the inconvenience.]

Markus Schächter warnt vor Apple, Google & Co“, so die etwas verstörende Überschrift eines Interviews anlässlich der Münchner Medientage. Vorweg ein ausführliches Zitat von Herrn Schächter (Hervorhebungen von mir):

Ich hoffe, dass wir gemeinsam erkennen, was die Stunde geschlagen hat und dass jede rückwärtsgewandte Diskussion uns keinen Schritt weiter bringt. Wer einen Blick über die Grenzen wirft, der sieht, dass sich die Netzgiganten neu aufstellen. In den USA zeigen Google-TV und Apple-TV wohin die Reise geht. Suchmaschinen und Vertriebsplattformen saugen jeden Content auf, ganz egal von wem er stammt – Zeitungen, Verlage, Sender, Produzenten. Unsere Produkte werden zum Gegenstand fremder Geschäftsmodelle. Die heutigen Hersteller und Verbreiter publizistischer und kultureller Inhalte verlieren die Hoheit über ihre Produkte, wenn sie nicht sehr genau aufpassen. Ich sage es nicht zum ersten Mal: Es wird Zeit, dass wir in Deutschland endlich aufhören, die falschen Türen zu bewachen.

In diesem einen Absatz des Interviews steckt so wahnsinnig viel Verkehrtes, ich weiß kaum, wo ich anfangen soll. Also der Reihe nach, Satz für Satz.

Eines noch vorweg: Ich habe größten Respekt und vollste Hochachtung vor den öffentlich-rechtlichen Sendern und habe auch immer wieder mit und für diese gearbeitet. Viele meiner Freunde, Bekannte und Kollegen arbeiten als Journalisten oder Medienberater für privatwirtschaftliche oder öffentlich-rechtliche Medienbetriebe aller Art. Meine beiden Uniabschlüsse haben den Schwerpunkt Medien und Kommunikation, meine Magisterarbeit beschäftigte sich mit dem Medienwandel und dem Einfluss von Blogs auf die politische Berichterstattung. Anders gesagt, ich kann guten Gewissens sagen, dass ich mich ein wenig mit dem deutschen Mediensystem beschäftigt habe und mich sehr dafür interessiere. Niemals würde es mir in den Sinn kommen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abzuschaffen.

Jetzt wo diese Frage aus dem Weg ist, gehen wir an die Substanz:

Markus Schächter: “Ich hoffe, dass wir gemeinsam erkennen, was die Stunde geschlagen hat und dass jede rückwärtsgewandte Diskussion uns keinen Schritt weiter bringt.”

Herr Schächter, ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Lassen Sie uns die Zukunft diskutieren und die alten Streitreflexe zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern sowie zwischen deutschen Medien und US-Internetunternehmen unterdrücken.

Markus Schächter: Wer einen Blick über die Grenzen wirft, der sieht, dass sich die Netzgiganten neu aufstellen. In den USA zeigen Google-TV und Apple-TV wohin die Reise geht.

Richtig, in den USA werden gerade die Spielregeln für die Zukunft des Bewegtbildes geschrieben. Besser gesagt: Dort ist das, was wir als “Zukunft des Bewegtbilds” bezeichnen würden längst Alltag: Netflix, Hulu und Co zeigen, wie einfach und gut Video-On-Demand-Dienste und Web-TV funktionieren können. Übrigens ohne dass sich dabei TV und Web in die Quere kommen würden. Hier gibt es diese Dienste nicht, nicht zuletzt da Medien und Politik in Deutschland als überraschend geschlossene Front gegenüber US-amerikanischen Onlineunternehmen auftreten. Damit schadet Deutschland gleich mehrfach – für Medien- und Internetunternehmen wird der Standort unattraktiver, Medienkonsumenten bleiben viele Spannende Kanäle unzugänglich.

Markus Schächter: Suchmaschinen und Vertriebsplattformen saugen jeden Content auf, ganz egal von wem er stammt – Zeitungen, Verlage, Sender, Produzenten.

Herr Schächter, bitte machen Sie doch Ihre Hausaufgaben. Eine Suchmaschine saugt keinen Content auf, sie indiziert ihn, macht ihn auffindbar. Was Suchmaschinen tun ist das Gegenteil dessen, was Sie hier faktenfrei behaupten: Sie stehlen diese Inhalte nicht etwa, wie Sie mit Ihrer Formulierung suggerieren, sondern sorgen dafür, dass mehr Menschen darauf aufmerksam werden. Sollte eine Zeitung, ein Verlag, ein Sender oder Produzent dies nicht wünschen, so gibt es einfachste technische Möglichkeiten, die Indizierung zu verhinden – nur sollten Sie sich bewusst sein, dass die Inhalte damit massiv an Reichweite verlieren. (Auf der Habenseite ließe sich freilich verbuchen, dass Sie Ihr Budget an SEO-Maßnahmen einsparen könnten.)

Markus Schächter: Unsere Produkte werden zum Gegenstand fremder Geschäftsmodelle.

Es ist wahr, andere Firmen verdienen daran, Ihre Inhalte zugänglich zu machen. Nur gehen diese Verdienste nicht auf Ihre Kosten, da wir hier nicht von einem Nullsummenspiel sprechen, sondern von klassischem Mehrwert im besten Sinne. Dies gilt ganz besonders für die öffentlich-rechtlichen Sender, für die Sie sprechen. Im Gegensatz zu ihren privatwirtschaftlichen Kollegen lässt sich wirklich nur schwer argumentieren, dass Ihre Mission dadurch gefährdet ist, wenn Google ein paar Werbungen neben Ihren Textteasern einblendet.

Markus Schächter: Die heutigen Hersteller und Verbreiter publizistischer und kultureller Inhalte verlieren die Hoheit über ihre Produkte, wenn sie nicht sehr genau aufpassen.

Die Hersteller verlieren keineswegs die Hoheit über ihre Produkte, lediglich über ihre Verbreitung – wenn überhaupt. Ich frage mich: wo genau liegt das Problem? Kontrollverlust ist eines der Kerncharakteristika des 21. Jahrhunderts. Dies gilt es als Chance zu begreifen.

Markus Schächter: Ich sage es nicht zum ersten Mal: Es wird Zeit, dass wir in Deutschland endlich aufhören, die falschen Türen zu bewachen.

Herr Schächter, hier bin ich wieder bei Ihnen. Bitte nehmen Sie sich Ihre eigenen Worte zu Herzen und hören Sie auf, die falschen Türen zu bewachen. So intuitiv der Ruf nach mehr Kontrolle auch sein mag, er ist an dieser Stelle nicht nur sinnlos, sondern schädlich. Ein Schelm, der Ihnen unterstellen würde, die allgemeine Angst im deutschen Medienbetrieb vor den Unwägbarkeiten des Medienwandels und den US-Webunternehmen auszunutzen, um den Schulterschluss mit den privaten Sendergruppen zu suchen und somit von der Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern abzulenken.

Es ist ein Problem, das die öffentlich-rechtlichen Sender schon lange umtreibt: “Wie können wir unseren Erfolg messen?” Allzu häufig messen sie sich mit den Maßstäben der Privatwirtschaft: Reichweite, Page Impressions, Unique Visits. Nicht uninteressant, doch basieren diese Messgrößen auf der Grundannahme, dass Werbeplätze verkauft werden müssen. Das Paradigma im öffentlichen Rundfunk ist freilich ein anderes: Bildung, Information, Gebührenakzeptanz. Diese lassen sich nicht über Reichweite messen, andere Maßstäbe müssen her. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen sich nicht verstecken – aber sie müssen sich auch nicht schützend vor die Privatwirtschaft stellen. Google ist der Freund, nicht der Feind des öffentlichen Rundfunks.

ZDF Auslandsjournal: Coworking

Z

ZDF Auslandsjournal

ZDF Auslandsjournal did a piece on a team working at Betahaus. The show was a special about the future of cities, and this being Auslandsjournal they usually film abroad. For the future of work it turned out, though, that Berlin is the place to go. So they filmed a bunch of us (Anna Lena Schiller, Christoph Fahle, Igor Schwarzmann, Martin Menzel and me) for two days working on a little website to accompany the TV piece.

Zukunft der Stadt

The segment “Coworking Spaces: Bürogemeinschaft der Zukunft?” aired on 28 April 2010, but it won’t be available online after a week due to some of the more stupid strange restrictions public broadcasters are operating under in Germany. (Which also restricts me from embedding the video here. If anyone has freed the video, let me know.) So the text will stay online just like our website sketch, the video will be up for a week. Betahaus is featured from around minute 9:20.

Creative Commons for German Public TV Could Save Costs, Archives

C

German public TV and the Some Rights Reserved content licenses by Creative Commons don’t seem to be a natural mix.

Then again, maybe they do.

As NDR, one of Germany’s regional public TV stations, proved by putting some shows under Creative Commons, open licenses and public TV may be a pretty good match indeed. (This goes both ways: During production of pieces, for example by using Creatice Commons music, and to license the TV shows.)

(For the US-Americans of you: Public TV plays a very different role in the media landscape in Germany than it does in the US. Like, people actually watch it, and it’s good stuff.)

At re:publica, Chief Editor of NDR Online Jürgen Werwinski shared the broadcaster’s experiences with going Creative Commons. Despite quite a bit of internal resistance (or rather: unfamiliarity with the subject), the station hasn’t regretted taking the steps towards to licensing their content more freely. After all, all the content is paid for by public funds, and making the content accessible is part of the public stations’ legal mission. (At Netzpolitik.org, Markus Beckedahl has been asking for more Creative Commons-licensed coverage for a long time.)

To stress my point of how important freely licensed content from public stations is, let me share a story that a friend told me. She works for public TV, where she’s an editor for a kids news program, Logo. The show is great, and also technically up to date, they even offer all the shows as a video podcast. Yet, the archive only goes about a week back, then disappears.

Of course, the shows don’t get deleted (I assume), but they aren’t accessible from the outside anymore. This is, to a large extent, due to the background and atmo music used in the news pieces: The music licenses only cover online use for a week or so, after that extra licensing fees would be due. Of course, the stations can’t just go on and keep paying ever-growing amounts of licensing fees of public funds, so they hide the archives. Effectively, this destroys these huge amounts of great shows which would be a priceless knowledge base for kids and teachers.

For obvious reasons, Creative Commons or similar licenses would help solve this issue single-handedly. Depending on the exact license, the music is available free of monetary costs, i.e. the stations wouldn’t have to pay at all; All they would have to to is credit the works, and – again, depending on the license – also license their content for external use. (More about share-alike licenses here, German version here.)

This, of course, is a highly political decision: Do we really want to give up a little bit of control, open up, and allow people out there to distribute our content freely?

My take? Yes, yes, and yes.

That’s not because I’m an info anarchist. (I’m not!)

Creative Commons make perfect rational sense for the public TV stations to use to fulfill their mission.

Why is that? First of all, Creative Commons licenses make it easy for viewers (users? citizens?) to share the content they like. This has both a valuable social aspect and helps the stations distribute their content more cost-efficiently. More reach, better distribution, easier and more wide-spread access.

Second, if you allow viewers to use and endorse this publicly funded content, it increases the feeling of ownership. That’s a key issue for public education.

Third, Creative Commons allows for fairly granular control of what you want to allow to do with your content. (An overview of the available licenses here.) For example, you could allow non-commercial use only, or also allow commercial use. (Non-commercial probably being the right way to go in this particular case.) Also, while allowing to remix your shows is pretty darn awesome, it’s understandable that institutions like public TV stations wouldn’t be comfortable with remixed versions of their content, so they could settle for non-derivative use, i.e. a no-remix license. Only the show as such may be redistributed, no changes allowed. This is particularly important if you’re worried about your stuff being used out of context.

Fourth, it’s free advertisement, as every show needs to be credited to the original creator.

Fifth, and most importantly, without the licensing fees you get an ever-growing archive of shows and knowledge that you don’t have to take offline anytime, ever.

And sixth, not having to pay licensing fees means saving a lot of money. This money can then be spent on furthering the cause of spreading knowledge and fulfilling public TV’s legal mission.

Of course, there are downsides as well.

First, in day-to-day work, editors often pick music more or less by association: If you deal with a certain topic and a song just comes to mind, this song it is. (Example? It’s a piece on the end of the school year, so School’s Out by Alice Cooper it is.) This works well and is easy to do because we all have a common base of pop cultural references we grew up with. Most Creative Commons songs haven’t reached this kind of popularity, they simply haven’t been around long enough. (Keep in mind that CC have been around for less than a decade.)

Second, this very mechanism (or lack thereof) also means that it takes longer to pick songs, simply because the editor has to go through a lot of songs to find some stuff they see fit.

However, these problems seem to be temporary – once the mechanisms are in place and editors get more familiar with what’s out there, speed picks up. Also, more and more songs become available as I’m typing this. There’s no inherent reason not to switch to a different policy here.

Who can change this policy?

Now the tricky part is who to talk to about this. As I see it, there are two main arguments you could make to convince the stations to switch to Creative Commons licenses, both for their own content and the music they use:

First, the mission statement argument: Creative Commons can help the stations fulfill their missions as best as they can by making access to their publicly funded contents easier. We’re talking distribution and archives here.

Second, the cost argument: Without horrendous music licensing fees, the shows can be produced with the same level of quality but for less money, making a more cost-efficient alternative. The savings can be used to either produce more stuff or to experiment with new formats, both of which the stations have inherent and legitimate interest in.

So where are the economists out there to crunch the numbers? Who’s got the ear of the decision-makers? This is something we all should be interested in. I’m very interested in personally, and I could imagine some of you are, too. Get in touch?