Der amerikanische Fersehsender ABC stellt neuerdings die aktuellen Folgen populärer Serien wie “Desperate Housewives” am Tag nach der Ausstrahlung kostenlos ins Internet. Finanziert wird das Experiment über Werbung, die sich nicht überspringen läßt. Phillips will mit einem neuen Patent noch darüber hinausgehen. Weil das hinterhältige Umschalten bei Werbeblöcken unerwüscht ist, soll eine Settopbox das Umschalten oder Vorspulen bei Werbung verhindern. Man hat als Gefahr digitale Rekorder ausgemacht, als ob wir die Tütensuppenseligkeit nicht schon vor 20 Jahren mit unserem altmodischen VHS-Gerät übersprungen hätten.
*** In einem nächsten Schritt kommt vermutlich jemand auf die Idee, einen Schaltkreis zu patentieren, der bei Beginn der Werbung automatisch Küchen- und Badezimmertür verriegelt. Weil die Menschen dann aber in der Pause ihre E-Mails abrufen, werden etwas später Fernseher mit Sesseln ausgeliefert, die dem Zuschauer Hals- und Fußfesseln anlegen, damit er keine wertvollen Produktinformationen verpaßt. Das erweist sich schnell als unflexible Lösung, so daß die Fernsehanstalten schließlich mit den Herstellern von Elektrohalsbändern kooperieren, die seit dem Verbot der Anwendung in der Hundeausbildung ohnehin auf der Suche nach neuen Märkten sind. Der Fernseher läßt sich dann nur einschalten, wenn das Halsband Hautkontakt registriert. Wer Werbung einfach überspringen will, wird mit Schmerzreizen auf sein schändliches Fehlverhalten aufmerksam gemacht. Besonders renitente Werbeverächter werden schließlich in einer allerletzten Stufe mit einer aus “Clockwork Orange” entlehnten Gerätschaft zum Offenhalten der Augen gezwungen. An den tragischen Mißerfolg der filmischen Konditionierungsvorlage wird man sich erst erinnern, wenn immer mehr Menschen zur Totalverweigerung des Fernsehprogramms übergehen und sich daran erinnern, daß man abends auch lesen kann. Ohne Werbeunterbrechung.
Quelle: F.A.S. vom 30. April 2006
[via Netzpolitik.org]

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