ArchiveAugust 14, 2005

alte schule

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gerade in nem alten Spiegelonline-Artikel geblättert. Der Artikel stammt ursprünglich von GEO Wissen, eigentlich ja guter Stuff, aber dann sowas:

Unbestritten ist, dass die Konfrontation mit langsameren Welten die “Schnellen” befremdet. So erklärte kürzlich ein jugendlicher Counterstrike-Spieler einem Journalisten: “Wenn man so etwas lange spielt, entwickelt man eine Reaktionsgeschwindigkeit, mit der man im Alltag überhaupt nicht mehr funktionieren kann. Das verändert die Art, wie man die Realität wahrnimmt. Die Schule kommt einem dann vor wie in Zeitlupe.”

Jeder Lehrer kennt inzwischen solche “schnellen” Schüler, die auch im Unterricht immer neue Sensationen erwarten. Die sich am ehesten noch durch hyperaktives, Videoclip-artiges Kasperletheater interessieren lassen.

na schön, der artikel ist schon etwas älter (2003, glaube ich), aber dieses “kasperletheater”? sooo stark hat sich die wahrnehmung doch nu auch nicht geändert in den letzten zwei jahren?

…am Beispiel des Videospiel-Klassikers “Pac-Man”. … Vier Geister versuchen Pac-Man zu verschlingen. Sie haben unterschiedliche Verhaltensmuster, sind verschieden schnell und angriffslustig. “Ich muss also nicht nur Pac-Man im Auge haben, sondern gleichzeitig auch die Gegner”, sagt Wiemken.

Um in einer derartigen Umgebung zu bestehen, muss sich der Blick auf das Ganze – oder zumindest auf den ganzen Bildschirm – richten. “Der Spieler vor dem Monitor”, beschreibt Wolfgang Bergmann dieses Phänomen, “muss nie nur eines, nie einen Punkt, eine Figur fixieren, wie es die alte Vernunft gelehrt hat…”

Die alte Vernunft, huh?

… Zweifellos eine sehr komplexe geistige Tätigkeit, die jedoch notgedrungen relativ oberflächlich bleibt – denn sonst litte die Geschwindigkeit.

Das Alte war schon immer besser, klar. Dass es sich einfach um eine neue Qualität der Wahrnehmung (anders, nicht oberflächlicher) handeln könnte, kam den Herren wohl nicht in den Sinn? Naja: Alte Schule eben.

Der ganze Artikel in Spiegel Online